Johnny Depp

Ob als Captain Jack Sparrow, Sweeney Todd, Edward mit den Scherenhänden oder als verrückter Hutmacher: Wie keinem anderen Schauspieler seiner Generation gelingt es Johnny Depp in skurrile und schwierige Rollen zu schlüpfen – und sie mit seiner ihm eigenen Ausstrahlung zum Leben zu erwecken. Dabei ist es nur einer zufälligen Begegnung mit seinem Schauspielerkollegen Nicolas Page zu verdanken, dass wir ihn in diesen und anderen Rollen erleben dürfen. Dieser nämlich riet Depp davon ab, Musiker zu werden und dazu, sich lieber in der Schauspielerei zu versuchen. Ein, wie sich zeigen sollte, richtiger Rat, der Johnny Depp binnen kurzer Zeit zu Weltruhm und zu einem der bestbezahlten Hollywood-Stars machen sollte.

Filmografie: Alle Johnny Depp Filme

Jahr Titel Rolle IMDB
2016 Alice im Wunderland 2: Through the Looking Glass Der verrückte Hutmacher Link
2016 Pirates of the Caribbean 5: Dead Men Tell No Tales Jack Sparrow Link
2015 Mortdecai Charlie Mortdecai Link
2014 Into the Woods The Wolf Link
2014 The Night Stalker Carl Kolchak Link
2014 Transcendence Will Caster Link
2014 London Fields Link
2013 Lone Ranger Tonto Link
2012 21 Jump Street Tom Hanson Link
2012 Dark Shadows Barnabas Collins Link
2012 For No Good Reason Himself Link
2012 Radioman Himself Link
2011 Life’s Too Short – Staffel 1 Folge 2 Himself Link
2011 Paradise Lost 3 : Purgatory Himself (archive footage) Link
2011 Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten Jack Sparrow Link
2011 Rango Rango Link
2011 Rum Diary Paul Kemp Link
2010 Alice im Wunderland verrückte Hutmacher Link
2010 The Tourist Frank Tupelo Link
2009 Das Kabinett des Dr. Parnassus Tony Link
2009 Public Enemies John Dillinger Link
2009 The Doors – When You’re Strange Narrator’s voice Link
2008 Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson Erzähler Link
2007 Joe Strummer: The Future Is Unwritten er selbst Link
2007 Pirates Of The Caribbean – Am Ende der Welt Jack Sparrow Link
2007 Sweeney Todd Sweeney Todd Link
2006 Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 Captain Jack Sparrow Link
2005 Charlie und die Schokoladenfabrik Willy Wonka Link
2004 Corpse Bride Victor Van Dort Link
2004 Das geheime Fenster Mort Rainey Link
2004 Happy End mit Hindernissen Unbekannter Link
2004 The Libertine Graf von Rochester Link
2004 Wenn Träume fliegen lernen Sir. James Matthew Barrie Link
2003 Charlie: Leben und Werk von Charles Chaplin er selbst Link
2003 Fluch der Karibik Captain Jack Sparrow Link
2003 Irgendwann in Mexico Sands Link
2002 Lost in la Mancha als er selbst Link
2001 Blow George Jung Link
2001 From Hell Fred Abberline Link
2000 Bevor es Nacht wird Bon Bon/Lieutenant Victor Link
2000 Chocolat… ein kleiner Biss genügt Roux Link
2000 In stürmischen Zeiten Cesar Link
1999 Die neun Pforten Dean Corso Link
1999 Sleepy Hollow Ichabod Crane Link
1999 The Astronaut’s Wife – Das Böse hat ein neues Gesicht Spencer Armacost Link
1998 Fear and Loathing in Las Vegas Raoul Duke Link
1998 L.A. Without a Map William Blake/Himself Link
1997 Donnie Brasco Donnie Brasco / Joseph D. ‚Joe‘ Pistone Link
1997 The Brave Raphael Link
1995 Dead Man William Blake Link
1995 Don Juan DeMarco Don Juan Link
1995 Gegen die Zeit Gene Watson Link
1994 Ed Wood Ed Wood Link
1993 Arizona Dream Axel Blackmar Link
1993 Benny und Joon Sam Link
1993 Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa Gilbert Grape Link
1991 Freddy’s Finale – Nightmare on Elm Street 6 Guy on TV Link
1990 Cry-Baby Wade ‚Cry Baby‘ Walker Link
1990 Edward mit den Scherenhänden Edward mit den Scherenhänden Link
1987 Die Superaufreisser Jack Link
1986 Platoon Lerner Link
1986 Slow Burn Donnie Fleischer Link
1984 Nightmare – Mörderische Träume Glen Lantz Link

Biografie

Wenige Schauspieler schaffen es, sich durch ihre Vielschichtigkeit in die Herzen des Publikums zu spielen und dabei eine Bandbreite an Charaktere zu mimen, die ihresgleichen sucht. Doch was steckt hinter dem Mann, den seine Tochter eher uncool findet? Wie viel Willie Wonka ist Johnny Depp und was wäre Arnie Grape ohne einen Bruder wie Gilbert? Wie schafft es ein Mann, seine Rollen dermaßen kindlich zu prägen, ohne dabei aus seiner Person zu fallen? Oder muss er seine Darsteller gar nicht spielen?

Wahrscheinlich ist es seine ureigene, fantasievolle und künstlerische Persönlichkeit, die sich einfach und natürlich in seinen Rollen entfalten kann. Wo also begann die Karriere dieses Ausnahme-Schauspielers? Was waren seine größten Erfolge und wie schaffte es Johnny Depp sich aus einer nicht immer einfachen und wechselhaften Kindheit und Jugend in Kentucky in die erste Reihe von Hollywood zu arbeiten?

Die frühen Jahre

Zur Welt gekommen ist der amerikanische Schauspieler am 9. Juni 1963 als John Christopher Depp in Owensboro im US-Bundesstaat Kentucky als jüngstes von insgesamt vier Kindern. Johnny Depp, dessen Vorfahren aus Deutschland, Irland und dem Indianerstamm der Cherokees stammen, wächst in recht bescheidenen Verhältnissen mit seinen zwei Schwestern und einem Bruder auf. Häufig wechselt die Familie ihren Wohnort – Johnny Depp bestärkt der häufige Wechsel seiner Umgebung zusätzlich darin, ein Außenseiter zu sein.

Junger Johnny Depp

Schon früh macht Depp, der bereits in jungen Jahren zu selbstverletzenden Verhalten neigt, Bekanntschaft mit Alkohol und Drogen. Nicht weniger angespannt ist die Lage im Hause Depp: Die Ehe seiner Eltern Sue Palmer (Kellnerin) und John Christopher Depp (Ingenieur) scheitert im Jahr 1978. In diesem Jahr bricht Johnny Depp auch die Highschool in Miramar (Florida) ab und beschließt sein Glück als Musiker in Los Angeles zu suchen. Und immerhin: Mit seiner Band The Kids schafft er es bis ins Vorprogramm von Iggy Pop und den Pretenders. Der große Durchbruch bleibt jedoch aus, weshalb er sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser halten muss.

Die für ihn möglicherweise entscheidendste Begegnung ist aber die mit Nicolas Cage. Cage sieht mehr als einen Musiker in Johnny Depp und überzeugt ihn, es mal als Schauspieler zu versuchen. So erhält Depp 1984 seine erste größere Rolle in dem Film Nightmare in Elm Street . Und schenkt man der Boulevard-Presse Glauben, hat Johnny Depp Nicholas Cage kürzlich finanziell aus der Patsche geholfen: Er sei ihm bis heute dankbar für seinen Rat, zum Film zu gehen.

Drogen, Tatoos und andere Schwierigkeiten

Johnny Depp sagt von sich, dass er schon im Alter von knapp 13 Jahren jede Droge probiert habe, derer er auf den Straßen Miramars habhaft werden konnte. Schon früh umgibt er sich mit dubiosen Gestalten, die ihm den Zugang zu Drogen erleichtern.

Es sind die wilden Siebziger und Drogen gibt es „eigentlich an jeder Straßenecke“. Ob dies dazu beiträgt, dass er nur ein mittelmäßiger Schüler ist oder ob nicht eher sein Desinteresse an der High School den Ausschlag für die Nähe zu den Drogen gibt, bleibt ungewiss. Immer häufiger kommt es jedoch zu Konflikten mit Lehrern und seinen Eltern, die in ihm gerne den angepassten Vorstadtjungen sehen möchten. Für Jonnys damalige Lehrkräfte scheint jedoch festzustehen, dass seine Karriere als Drogenabhängiger bereits vorgezeichnet ist. Depp löst sich aber rechtzeitig vom Drogenkonsum und ist bis heute nur dem Nikotin und dem einen oder anderen Glas Rotwein treu geblieben.

Johnny Depp Tattos

Mit 17 ließ sich Depp sein erstes Tattoo, einen Cherokee-Häuptling zu Ehren seines Großvaters, stechen – Bild: the-walls.net

Die Treue gehalten hat er auch einer anderen Leidenschaft: An vielen Stellen seines Körpers sind Tattoos zu sehen, die unterschiedlich wichtige Facetten seines Lebens festhalten. Der erste von insgesamt 11 Tattoos, die er sich im Laufe seines Lebens hat fertigen lassen, zeigt einen Cherokee-Häuptling und verweist so auf die Urahnen Johnny Depps, denen er sich innig verbunden fühlt. Zu den ebenfalls frühen Tattoos zählt der in einem roten Herzen geschriebene Name seiner Mutter Betty Sue, für die er nach der Trennung seiner Eltern eine große Verantwortung empfunden hat.

Der Jugendschwarm

Johnny Depp besucht mehrere Schauspielschulen und erzielt schnell erste Achtungserfolge in Nebenrollen in Filmen wie A Nightmare on Elm Street und als Nebendarsteller in mehreren Horrorfilmen. Zu sehen ist er 1986 auch in dem Oscar-Prämierten Film Platon von Oliver Stone, in dem er den Private Lerner spielt.

Zum Jugendschwarm, der er eigentlich nie werden wollte, wird er aber ein Jahr später mit der Rolle des ironisch-einfühlsamen Officer Tom Hanson in der Serie 21 Jump Street (1987 – 1990). Eine für Jonny Depp im Rückblick nicht sehr angenehme Erfahrung, die ihm zwar zum Durchbruch verhilft, ihn aber künstlerisch nicht ausfüllt, weshalb er beschließt, nie wieder in Fernsehserien mitzuwirken. Seitdem widmet er seine künstlerische Schaffenskraft dem Dreh von Kinofilmen und schlüpft dabei nicht selten in Rollen, die ihm wie auf den Leib geschnitten scheinen.

Johnny Depp als Officer Tom Hanson

Johnny Depp sorgte als Officer Tom Hanson in 21 Jumpstreet vor allem bei seinen weiblichen Fans für Einschaltquoten – Bild: fanpop.com

Sein Faible für absurde und ausgefallene Protagonisten stößt nicht selten auf Unverständnis. Doch sein „Nein“ zu Rollen in Blockbustern wie Speed oder Die drei Musketiere zeigen, dass er sich und seine Charaktere längst gefunden hat. Was nicht bedeutet, dass er nicht beispielsweise mit Filmen wie Fluch der Karibik ein feines Gespür für kommerzielle Erfolge an den Tag legt. Aktuell ist er im Film Transcendence zu sehen, dessen Erfolg abzuwarten bleibt.

Das Liebesleben des Johnny Depp

Jonny Depp bietet mit seinem abwechslungsreichen Liebesleben zahlreichen Stoff für unzählige Artikel in der Klatschpresse. Eigenen Angaben nach hat Johnny Depp schon im zarten Alter von 13 Jahren seine Jungfräulichkeit verloren, was auch Aufschluss darüber geben mag, wie intensiv Johnny Depp zahlreiche Beziehungen durchlebt haben muss. Bereits 1983, da war Depp erst 20 Jahre alt, nahm er Lori Allison zur Frau – die Ehe sollte allerdings schon nach zwei Jahren wieder geschieden werden.

Die Liste an Liebschaften und amourösen Beziehungen, denen sich Depp im Laufe der Jahre hingegeben hat, ist lang: Mit der Schauspielerin Sherilyn Fenn (mit der er bereits während den Dreharbeiten zu 21 Jump Street Bekanntschaft schloss) verband ihn eine jahrelange Beziehung, die von 1985 bis 1989 währen sollte. Auch mit der Schauspielkollegin Winona Ryder (ebenfalls in Edward mit den Scherenhänden zu sehen) war er vier Jahre von 1989 bis 1993 verbandelt.

Johnny Depp und Winona Ryder

Johnnys große Liebe von 1989 bis 1993: Winona Rider – Bild: yoyowall.com

Seine nächste große Liebe sollte dann das englische Model Kate Moss sein, der er ebenfalls vier Jahre die Treue hielt, bis schließlich die französische Sängerin Vanessa Paradis in Erscheinung trat. Aus dieser Beziehung, die 1998 begann und im Jahr 2012 beendet wurde, sind zwei Kinder hervorgegangen. Für neuen Gesprächsstoff in den Klatschspalten sorgt seine derzeitige Liebelei zu der Schauspielerin Amber Heard, mit der er auch verlobt ist. Übrigens wird ihm sogar eine Affäre mit Angelina Jolie nachgesagt. Beide standen 2010 für den deutschen Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und seinem Film The Tourist vor der Kamera.

Johnny Depp und Tim Burton

Ein besonders inniges Verhältnis hat Johnny Depp bis heute zum Regisseur Tim Burton, mit dem er zahlreiche Spielfilme gedreht hat und mit denen Depps leidenschaftliche Liebe für eigensinnige und verschrobene Charaktere immer wieder unter Beweis gestellt wird. Den Auftakt zu einer langen Reihe von Filmen stellt Edward mit den Scherenhänden (1990) dar. Die Rolle der fantastischen Figur eines künstlich erschaffenen Menschen mit Scherenhänden ist es auch, die ihn aus dem von ihm so wenig geschätzten Image des Teenie-Idols löst – dabei ist es Depp einerlei, ob dieser Imagewandel möglicherweise zu Flops in den Kinos führen könnte.

Johnny Depp und Tim Burton

Seit Edward mit den Scherenhänden (1990) das Hollywood Dreamteam: Johnny Depp und Tim Burton – Bild: fanpop.com

Aus der Zusammenarbeit dieser Beiden sollten zahlreiche andere Filmprojekte erwachsen, in denen der Regisseur mit einer Vorliebe für überzeichnete Themen und der Schauspieler mit ebenso abseitigen Neigungen, bizarr-versponnenen Kinofiguren zu außerordentlichen Erfolgen verhelfen. Johnny Depp prägt dabei in markanter Art und Weise die Hauptfiguren der Filme Ed Wood (1994), Sleepy Hollow (1999), Charlie und die Schokoladenfabrik (2005), Corps Bride (2005, Stimme), Sweeney Todd (2007), Alice im Wunderland (2010) sowie Dark Shadows (2012). Ironie der Geschichte: Für die Rolle in dem ersten Film von Burton und Depp ist ursprünglich Tom Cruise vorgesehen. Doch Burton gibt seiner Intuition nach und setzt auf den damals nur aus einer Fernsehserie bekannt gewordenen Querläufer. Eine gute Entscheidung, wie sich im Rückblick herausstellen soll – und für Johnny Depp eine weitere schicksalhafte Begegnung.

Johnny Depp als Regisseur und Produzent

Wer vor der Kamera steht, fragt sich unweigerlich irgendwann, ob er es nicht auch einmal auf der anderen Seite probieren sollte. So auch in dem Streifen Stuff (1992), indem sich Depps Affinität zur Musik widerspiegelt und indem die instabile Lebensführung des Gitarristen der Red Hot Chili Peppers John Frusciante ausgeleuchtet wird. Sein eigentliches Regiedebüt ist aber der Film Brave (1997) in dem er nicht nur die Regie, sondern auch gleich noch die Hauptrolle übernimmt. Was in Cannes und Europa gut aufgenommen wird, findet wenig Anklang bei amerikanischen Kritikern.

Seine Laufbahn als Regisseur hat Depp seitdem nicht fortgesetzt. Engagiert hat er sich dafür in den Jahren 2011 und 2012 aber als Produzent. Mit Dark Shadows sogar in Zusammenarbeit mit Tim Burton. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, bei dieser bittersüßen Horrorkomödie die Hauptrolle zu spielen – eine Rolle, der er treu verbunden scheint: Der extravagante, ungewöhnliche und fantasievolle Mann hinter einer aufwändig gestalteten Maske.

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